Rezension zu „Wir sind die Guten“

Als ich am Montag mal wieder im Hugendubel war, habe ich mir die neuen Bücher angeschaut. Aufgefallen ist mir „Wir sind die Guten“ von Mathias Bröckers und Paul Schreyer dadurch, dass ein Aufkleber „Spiegel Bestseller“ vorhanden war. In dem Buch geht es um Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren. Da mir ja auch klar ist, dass die Medien nicht gerade objektiv berichten, dachte ich mir, dass das Buch bestimmt objektiver geschrieben ist und daher kaufte ich es mir. Hier nun meine Rezension:

In dem Buch „Wir sind die Guten“ soll es, wie der Untertitel es sagt, um die Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren gehen. Mittlerweile sollte jedem klar sein, dass unsere Medien nicht immer objektiv berichten und gerade in der Ukraine ein zu einfaches Schwarz-Weiß-Bild gezeichnet worden ist. Die beiden Autoren Mathias Bröckers und Paul Schreyer outen sich als Putinversteher. Natürlich ist Putin nicht so, wie es uns die Medien beschreiben und auch wenn Putinversteher mittlerweile ein Schimpfwort ist, ich bin froh, dass es welche gibt.

Allerdings ist es sehr auffällig, dass sich die beiden Autoren als Putinversteher bezeichnen, aber es im Buch meistens um die USA geht und da muss ich den beiden einfach Anti-Amerikanismus vorwerfen. Natürlich sind die USA kein Waisenknabe und natürlich ist wohl das meiste wahr, was im Buch über deren Aktionen geschrieben wird. Aber das Weglassen von Fakten, die Putin und Russland betreffen und ein negatives Bild erzeugen könnten, zeugt auch nicht gerade von Objektivität.

Als Beispiel werden die 5 Mrd Dollar genannt, die die USA seit 1991 in einen politischen Umschwung in der Ukraine investiert haben (also etwa 217 Millionen im Jahr). Das Russland Gas als politisches Mittel eingesetzt wird komplett verschwiegen. Und warum müssen die USA so viel investieren? Weil von 1945 bis 1990 doch kaum was passiert ist. Man muss sich doch nur die DDR 1990 und die östlichen Bundesländer heute anschauen und die BRD hat viel mehr in den Aufbau Ost investiert. Ein zweites Beispiel sind die 400 Mitarbeiter von Black Water, die in der Ostukraine agieren. Was ist mit den russischen Soldaten? Werden mit keinem Wort erwähnt.

Negativ fällt auch auf, dass im zweiten Kapitel die Geschichte der Ukraine kurz angerissen wird und dabei wohl die Meinung geschürt werden soll, dass es eigentlich keine Ukrainer und eine ukrainische Sprache gibt. Neben dem Anti-Amerikanismus kommt als noch Anti-Ukrainismus hinzu.

Im dritten Kapitel geht es um die Ansichten der USA (Einzigartigkeit, Weltherrschaftsanspruch) und diese werden natürlich negativ dargestellt. Eine Gegenüberstellung mit Russland findet dabei leider nicht statt. Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Russen nicht auch als einzigartig beschreiben würden. Und wie die Russen teilweise agieren (Ukraine, Abchasien, Moldawien) zeugt auch von einem gewissen Machtanspruch.

Zitat aus dem Buch“ Dass die legal auf der Krim stationierten russischen Soldaten zur Sicherung der Wahllokale ihre Kasernen verließen, wurde von westlicher Seite als Einschüchterungsversuch gewertet…“ Diese Aussage finde ich sehr zynisch und zeigt, dass die Autoren auch nicht den moralischen Ansprüchen gerecht werden, die sie gegenüber den USA und anderen westlichen Ländern erheben. Waren die Soldaten nicht ohne Abzeichen vor den Kasernen der ukrainischen Soldaten? Hat Putin diese Soldaten nicht erst als Selbstverteidigungskräfte der Krim bezeichnet?

Die Autoren bezeichnen Russland als Energiesupermacht Nummer 1 und die Aussage von Obama, dass Russland nur eine regionale Macht sei, als plumpe Verspottung. Momentan zeigt sich, was die Energie wert ist. Es wurde sich nur auf die Energie konzentriert, der Aufschwung von Russland basiert auf tönernen Füßen. Aber dies ignorieren die Autoren. Wichtig ist, dass Russland stark dargestellt wird, zum Schluss sogar als Rohstoffmacht Nummer eins.

Die Mainstreammedien nutzen den Begriff „Russische Propaganda“ als Abwertung und Ausgrenzung von Informationen, denen man nicht glauben kann. Dass es aber auch viele Menschen gibt, die es andersrum genauso halten (Mainstreammedien kann man nicht glauben), wird dabei nicht erwähnt.
Laut dem Buch ist es das Ziel der USA über Russland und deren Bodenschätze zu verfügen. Warum wird es dann nicht aktiver versucht? Wird es nur versucht, indem Staaten, die sich nicht den USA „unterwerfen“, gefügig gemacht werden? Und wenn die USA wirklich weiterhin die unumschränkte Weltmacht bleiben wollen, warum wird China der Aufstieg gestattet? Oder sind die USA nicht so stark, dass sie es wirklich könnten oder ist es vielleicht doch nicht deren Ziel?

Natürlich darf man den westlichen Medien nicht unbedingt glauben und gerade beim Thema Ukraine wurde nicht objektiv berichtet. Dieses Buch ist das genaue Gegenteil, zeigt nur Fehler des Westens auf und über Russland und Putin wird nur wenig geschrieben. Warum sich die Autoren als Putinversteher bezeichnen, weiß man nach diesem Buch auch nicht. Es wird sich kaum mit Putin oder Russland beschäftigt, sondern eigentlich nur mit den USA. Man weiß nur, dass sie die USA und die restlichen westlichen Länder nicht wirklich mögen. Auch dieses Buch ist nicht objektiv. Vielleicht gibt es ja mal ein Buch, das die Mitte und wirklich die Wahrheit darstellt.

In diesem Buch wird auch zu viel weggelassen, was der eigenen Meinung im Wege stehen könnte. Das Buch ist zwar interessant und gut zu lesen (ich habe 2 Tage gebraucht) und als Gegenpol zur anderen veröffentlichen Meinung sicherlich zu empfehlen. Glauben sollte man diesem Buch aber auch nicht unbedingt. Dafür ist der Anti-Amerikanismus doch zu offensichtlich. Besonders Kapitel 15 und dort die Seiten 180 und 181 wirken auf mich nicht objektiv, nicht sachlich sondern entsprechen eher, um mal die Autoren abgewandelt zu zitieren, einem Welt- und Menschenbild, das eher dem Reich des Wahnsinns als der Vernunft zuzuordnen sind.

Wieso gibt es keine Autoren, die beide Seiten objektiv betrachten können? Und wieso können die beiden Autoren die USA nicht kritisieren ohne so in die Extreme und die Unsachlichkeit zu verfallen? Teilweise ist es kein Sachbuch mehr, sondern reine Polemik. Schade, aus diesem Thema und dem Buch hätte man mehr machen können.

Lustig finde ich es auch, dass es beim Krieg in Afghanistan nicht um den Krieg gegen den Terror sondern um Opium ging. Die Begründung habe ich vorher noch nie gesehen. Kann man damit so viel Geld machen, dass es sich lohnt, deshalb in Afghanistan einzumarschieren? Und wenn ja, warum wurde das erst 2001 gemacht und nicht schon nachdem die Sowjetunion abgezogen war. Und warum wurden die Mudschahedin dann nicht weiter bestochen. Die USA können doch alles. Warum haben sie es damals nicht gemacht?

2 Gedanken zu “Rezension zu „Wir sind die Guten“

  1. Irgendwie mag mich die Kommentarfunktion heute nicht. Erst lösche ich ein Kommentar über mein Handy, weil die blog.de-Seite einfach nicht fürs Handy geeignet ist und dann versuche ich den Kommentar zu genehmigen, er taucht bei mir auch als genehmigt auf, aber nicht hier. Daher nun der Kommentar von Jörg:

    Das Buch beschreibt ja offensichtlich was uns von den Medien vorenthalten wird. Zu Putin wird uns ja nun weiß Gott genug mitgeteilt, zur „anderen“ Seite recht wenig. Es geht hier um keine Gegenüberstellung von Fakten, sondern um Klarstellung der Ursachen der Krise.
    Es wird zum Beispiel auch gar nicht bestritten das es keine Ukrainer gibt. Es gab aber fast nie einen Staat Ukraine.

    Gefällt mir

  2. Das Buch beschreibt ja offensichtlich was uns von den Medien vorenthalten wird. Zu Putin wird uns ja nun weiß Gott genug mitgeteilt, zur „anderen“ Seite recht wenig. Es geht hier um keine Gegenüberstellung von Fakten, sondern um Klarstellung der Ursachen der Krise.
    Es wird zum Beispiel auch gar nicht bestritten das es keine Ukrainer gibt. Es gab aber fast nie einen Staat Ukraine.

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