Die Muse

Oh, wie er das Aufräumen hasst. Aber ab und zu muss es sein und manchmal findet man wieder, was man schon ewig gesucht hat. Einen kleinen Schrank hatte er sich zugelegt und ihn jetzt zusammengeschraubt. Endlich konnte er seinen Schreibtisch etwas besser aufräumen und ziemlich schnell war der Schrank voll. Aber wo war der Schraubenzieher hin? Gerade hatte er ihn benutzt um Schrauben am Schrank festzuziehen und jetzt war er weg. Im Schrank war er nicht, auf dem Schreibtisch war er nicht, bei den anderen Werkzeugen war er nicht. Wo war er nur?

Autsch!! Jetzt ist er bei der Suche nach dem Schraubenzieher doch gegen seinen neuen Schrank gelaufen. Na klasse, muss er sich erst dran gewöhnen, dass da jetzt ein Schrank steht? Und das war der Knöchel. Schöne Schmerzen waren es. Kurz aufs Bett gehumpelt, mit Tränen in den Augen. Man sollte auch nie nach 20 Uhr noch einen Schrank aufbauen und irgendetwas suchen. Er lag auf dem Bett, biss die Zähne zusammen und zog die Luft an. Schmerzen. Er versuchte den Fuß zu bewegen, aber momentan ging es nicht. Und beim Versuch zu bewegen, trieben ihn die Schmerzen Tränen in die Augen. Er ließ sich ins Bett zurücksinken und versuchte die Schmerzen zu vergessen.

Was war das? Irgendetwas hatte er gespürt, aber er wusste nicht was. Als ob noch jemand im Raum wäre. Er blickte um sich. Nein, er war alleine. Aber halt, was war da auf dem Balkon? Eine Gestalt landete auf dem Balkon. Wie ein Engel. Anmutig ging sie durch die Balkontür ohne sie zu öffnen. Braune, lange Haare, große sanfte Rehaugen, ein gleichmäßiges Gesicht und nur ein dünnes weißes Kleid an. Er ließ seinen Kopf wieder ins Kissen sinken. Was war das? Die Gestalt kam näher zu ihm, schwebte ihm entgegen, legte sich zu ihm ins Bett und schmiegte sich an ihn. Was war das? Sie flüsterte ihm einige Wörter ins Ohr, zärtlich, so dass er mehr auf ihre Stimme achtete als auf die Worte. Aber plötzlich fiel im eine Geschichte ein. 2 Kinder, Susi und Jan, Weihnachtsmann….

Er sah der Frau direkt in die Augen. „Wer bist du? Was machst du mit mir?“ „Ich bin deine Muse. Ich bringe dich zum Schreiben. Schreibe Geschichten für andere…Ich werde ab und zu vorbeikommen und wenn du an einer Geschichte schreibst, werde ich hinter dir stehen und dir helfen.“ Er war etwas verblüfft und die Muse erhob sich zum Gehen. Schnell stellte er noch eine Frage: „Und was ist mit dem Schraubenzieher? Wo ist er?“ Die Muse lachte auf, küsste ihn sanft auf die Stirn und verschwand wieder über den Balkon.

Er ging an seinen Rechner und fing an zu schreiben. Die Geschichte ging wie von selbst und ab und zu hatte er das Gefühl, als würde jemand hinter ihm stehen. Doch wenn er sich umblickte sah er nichts. Schließlich wurde er mit der Geschichte fertig, las sie noch einmal durch und sie gefiel ihm. Eine schöne Geschichte. Er wusste gar nicht, dass er so gut schreiben kann. Aber wo war der Schraubenzieher?

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