Gezeter um Grexit geht weiter

Das Referendum fand doch statt und die Mehrheit der Griechen votierte mit „Nein“. Allerdings hat dieses Ergebnis nicht wirklich geholfen. Die anderen Länder der Eurozone bleiben hart, da vor allem die osteuropäischen Länder, wie die baltischen Staaten, nicht einsehen, den Griechen Geld zu schenken. Die Bewohner dieser Länder sind größtenteils ärmer als die Griechen und daher nicht weiter bereit, Hilfsprogramme ohne Gegenleistung durchzuführen.

Tsipras hoffte, dass ein „Nein“ ihm Rückenwind beschert, aber dem ist wohl nicht so. Sein Finanzminister Varufakis, der bei den anderen Finanzministern der Eurozone nicht sehr beliebt war, ist zurückgetreten, ich nehme an, als Bauernopfer, wie ich es vor paar Tagen schon prophezeit habe. Ansonsten hat Tsipras nicht viel gemacht, es gibt weiter keine Reformliste, sondern immer noch die Hoffnung auf einen Schuldenschnitt. Der würde aber auch nichts bringen, denn Griechenlands Wirtschaft hat nichts zu bieten und würde sofort wieder Schulden machen.

Hier ist grundlegende Arbeit erforderlich, die aber noch keine griechische Regierung angepackt hat. Es gibt kein Katasteramt und somit keine Übersicht über Immobilien und Vermögen. Das Steuerwesen müsste auch überarbeitet werden und endlich auch die reichen Griechen, wie die Reeder, höher besteuert werden. Zusätzlich muss auch die „kleine“ Steuerhinterziehung bekämpft werden. Und die Vetternwirtschaft, die es schon unter den anderen Regierungen gab, wird unter Tsipras fortgeführt, obwohl dies im Wahlkampf noch bekämpft werden sollte.

Wenn diese Sachen endlich angegriffen werden würden, würde die Eurozone den Griechen sicherlich entgegen kommen, aber irgendwie kommt von denen ja nichts. Die Banken sind schon seit Tagen zu, die Griechen können kaum Geld abheben und der Grexit hat, meiner Meinung nach, schon schleichend begonnen. Tsipras kann nicht aus seiner Haut und wird die Griechen aus dem Euro führen, ungewollt oder gewollt. Die ersten Schulden an den IWF konnten nicht zurückgezahlt werden, weitere Säumnisse werden folgen. Die Eurozone hat eine Art Ultimatum bis Sonntag gestellt, das Gewurschtel wird also weiter gehen. Ich habe eigentlich gehofft, dass es doch zu einer Einigung kommt, aber beide Seiten bewegen sich, wenn überhaupt, nur im Schneckentempo aufeinander zu.

2 Gedanken zu “Gezeter um Grexit geht weiter

  1. Am Ende hat die EU wieder einmal gezeigt, dass sie auch in schweren Zeiten zusammen hält. Dennoch, das wird sicherlich nichts das letzte Mal sein, dass man genau vor solch einem Problem steht.

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    • Spätestens wenn Griechenland wieder Kredite zurückzahlen muss, kommt das Thema auf die Tagesordnung. Erst wenn der Euro auch eine vernünftige Basis, wie eine gemeinschaftliche Finanzpolitik, erhält, wird er stabilisiert. Solange jedes Land nur auf sich schaut und überlegt, was für sich selbst das Beste ist, werden solche Krisen immer wiederkehren. Es ist egal, ob es um Griechenland geht, oder Ungarn, vielleicht Italien, Spanien, nur eine halbwegs gemeinschaftliche Politik kann für Ruhe in Europa sorgen.

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