Deutsche Außenpolitik 1871-2015 im Zeichen von Reparationen – Einleitung

Das Thema Kriegsbeute ist so alt wie der Krieg selber. So gut wie jeder Staat oder Stamm, der aus einem Krieg siegreich hervorging, legte dem Besiegten seine Bedingungen auf. Es gab viele Möglichkeiten der Kriegsbeute, sei es Materialien, Gold oder Gebiete, Waffen und in früheren Zeiten natürlich auch Menschen als Sklaven. Während der Antike gab es Raubzüge, die nur auf Kriegsbeute ausgerichtet waren, um Einnahmen und Prestige zu gewinnen. Auch im Mittelalter war dieses Motiv besonders bei den Wikingern verbreitet, die nur auf Reichtum aus waren. Der Mensch als Kriegsbeute hatte weiterhin Bestand, allerdings wurden zumindest in Europa nicht mehr Sklaven gefangen genommen, sondern eher Adlige, für die Lösegeld gefordert werden konnte. Häufig wurde Kriegsbeute nicht nur nach dem Krieg sondern auch währenddessen gemacht, zum Beispiel gab es im dreißigjährigen Krieg Plünderungen, um die Söldner zu ernähren und zu bezahlen. Kriegsbeute ist seit der Haager Landkriegsordnung 1907 verboten und in Deutschland und vielen Ländern strafbar.

Nachdem die Kriege später etwas zivilisierter geführt wurden und Disziplin in den Armeen einkehrte, verschwand der Aspekt der persönlichen Kriegsbeute und es wurden eher Beutestücke geraubt, die zur Ausrüstung des Heeres dienten, wie zum Beispiel Geschütze und andere Waffen. Im 19. Jahrhundert gab es durch die Napoleonischen Kriege noch einen Rückschlag, da die Franzosen wieder vermehrt plünderten, danach wurde aber, besonders bei den preußischen Armeen, so gut wie keine Kriegsbeute mehr während des Krieges geplündert. Eine Ausnahme bildet die Raubkunst im 2. Weltkrieg, als die Deutschen aus den besetzten Gebieten Kunstgegenstände ins Deutsche Reich schafften. Auch die Alliierten trieben indirekt Kriegsbeute ein, als sie am Ende und kurze Zeit nach dem Krieg Patente (eher die westlichen Alliierten) und wiederum Kunstgegenstände (eher die Sowjetunion) aus Deutschland entnahmen.

Statt der Kriegsbeute, die selten beziffert wurde, kam es ab dem 19. Jahrhundert zu Reparationen, die mit Schadensersatzforderungen zu vergleichen sind. Im Gegensatz zur Kriegsbeute sind Reparationen vertraglich niedergelegt und werden meistens in einem Friedensvertrag schriftlich festgehalten.  Die Reparationen werden daher nach einem Krieg gezahlt.

Die Idee zu diesem Buch kam mir als die Griechen 2015 mit der neuen Regierung unter Alexis Tsipras wieder Reparationsforderungen wegen des 2. Weltkrieges erhoben haben. Dabei habe ich mir die Frage gestellt, ob das Anliegen der Griechen eventuell berechtigt ist. Da es zu diesem Thema keine aktuellen Bücher gibt, habe ich mich entschieden selbst eins zu schreiben.

Da man die Reparationen nach dem Zweiten Weltkrieg, beziehungsweise eher die nicht gezahlten Reparationen, ohne den Versailler Vertrag 1919 nicht erklären kann und diesen Versailler Vertrag nicht ohne den Frieden von Frankfurt 1871, habe ich mich entschieden bei der Gründung des Deutschen Reiches 1871 anzufangen. Ich habe über die Außenpolitik von 1871 bis 2015 geschrieben, um zu zeigen, wie sich die Weimarer Republik 1918 isoliert wiederfand und dementsprechend auch die Außenpolitik ausgerichtet war und wie die Bundesrepublik Deutschland sich im Gegensatz dazu ab 1949 in die Diplomatie des Westens integriert hatte. Dabei führe ich fast nur außenpolitische Ereignisse auf, da die Innenpolitik in Bezug auf Reparationen nicht interessant war.

Was Deutschland speziell nach dem Zweiten Weltkrieg an Reparationen gezahlt hat und ob Deutschland an Griechenland Entschädigungsleistungen zahlen sollte, führe ich zum Schluss auf.

Als ich das Buch angefangen hatte, war ich mir über die Antwort unsicher, ob Deutschland Reparationen zahlen sollte. Erst spät habe ich dann für mich eine Antwort gefunden. Natürlich bleibt es jedem Leser überlassen, für sich die Frage zu beantworten, ob Deutschland den Griechen noch Reparationen zahlen sollte.

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