Deutsche Außenpolitik 1871-2015 im Zeichen von Reparationen – Der lange Weg zur Reichsgründung (Teil 1)

Das heutige Deutschland bestand seit Jahrhunderten aus kleineren und mittleren Fürstentümern, lose vereinigt im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, das aber 1806 während der napoleonischen Kriege vom österreichischen Kaiser Franz II. aufgelöst wurde. Im 17. Jahrhundert reformierte sich Preußen unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm und wuchs in den nächsten Jahrhunderten zur zweiten bestimmenden Macht im deutschsprachigen Gebiet heran. Im 19. Jahrhundert begann sich in Deutschland die Idee einer deutschen Nation auszubreiten, es kam zu Vereinsgründungen und Festen wie z.B. auf der Wartburg. Das Deutschland-Lied stammt zwar auch aus dieser Zeit, war zu dem Zeitpunkt aber wenig verbreitet und kam erst im 20. Jahrhundert zur größeren Bedeutung.

Die Bevölkerung beschäftige sich früh für mit der deutschen Frage und bildete in Frankfurt eine Nationalversammlung, die eine Verfassung ausarbeitete. Dem König von Preußen Friedrich Wilhelm IV. wurde die Kaiserkrone 1849 angeboten, dieser lehnte aber ab. Der nächste Rückschlag folgte 1850. 1848 erhoben sich die Schleswig-Holsteiner gegen Dänemark und kämpften für die Einheit ihrer beiden Herzogtümer. Nachdem der Deutsche Bund mit Dänemark Frieden schloss, waren die Schleswig-Holsteiner auf sich allein gestellt. Am 24. und 25. Juli 1850 kam es zur Schlacht bei Idstedt, die die Dänen für sich entscheiden konnten. Danach war der Krieg verloren, Schleswig blieb bei Dänemark und auch Holstein und Lauenburg kamen wieder unter die Herrschaft von Dänemark.

In Frankreich kam es im Jahr 1851 zum Staatsstreich von Charles-Luis-Napoleon Bonaparte, der sich 1852 als Napoleon III. zum Kaiser der Franzosen krönen lässt. Zwischen 1853 und 1856 kämpfen im Krimkrieg das Osmanische Reich, Frankreich und Großbritannien gegen Russland. Durch den Krieg wurde das Osmanische Reich weiter am Leben gehalten, Russland zu Reformen gezwungen und Österreich geschwächt, da es versucht hatte, sich neutral zu verhalten und damit alle Seiten enttäuscht hatte.

Im Jahr 1859 kommt es zum sardinischen Krieg zwischen Sardinien und Frankreich gegen Österreich, der am 10. November mit dem Frieden von Zürich beendet wurde. Österreich verlor die meisten Schlachten und daher auch den Krieg. Sie verloren die Lombardei und später auch die Herzogtümer Modena, Parma und Toskana. Die Einigung Italiens wurde durch diesen Krieg weiter vorangetrieben.

1860 zog Garibaldi dann gegen Neapel, konnte Sizilien erobern und schließlich am Volturno die entscheidende Schlacht gewinnen. Parallel besiegte Sardinien den Kirchenstaat und 1861 wurde Viktor Emanuell II. von Sardinien König von Italien. Auch im Osten Europas entstand aus den beiden Donaufürstentümern Moldau und Walachei mit dem Fürstentum Rumänien ein neuer Staat.

In Deutschland übernahm 1859 der Kronprinz Wilhelm I. die Regentschaft von seinem Bruder Friedrich Wilhelm IV. da dieser nicht mehr regierungsfähig war. Der neue König war bereit mit Preußen der Vorkämpfer für die nationale Sache der Deutschen zu werden. Die ersten Jahre regierte er teilweise unglücklich, direkt im ersten Jahr verweigerte er Österreich die Hilfe des Deutschen Bundes beim sardinischen Krieg, konnte daher aber beim Friedensvertrag nicht mitwirken. Die Heeresreform seines Kriegsministers Albrecht von Roon konnte er auch nicht durchsetzen.
Daher übernahm Bismarck 1862 das Amt des Ministerpräsidenten und regierte fürs erste nur mit dem Vertrauen des Königs, ohne Rückhalt im Parlament. Die Bestrebungen, das Land zu einen, führte er, nicht unbedingt von Anfang an gewollt, weiter.

Als Dänemark 1864 einen Vertragsbruch beging und Schleswig mehr in den Gesamtstaat einbinden wollte, nutzte er die Gelegenheit aus, zog Österreich auf seine Seite und begann den Krieg. Die österreichischen Truppen konnten sich in den Kämpfen auszeichnen, während die preußische Armee unter Generalfeldmarschall von Wrangel ihre Ziele nicht immer erfüllen konnten. Unter anderem gelang es nicht bei Missunde die Schlei zu überqueren sondern erst einige Tage später bei Arnis. Nachdem von Wrangel abgelöst worden war, befahl Bismarck die Stürmung der Düppeler Schanzen. Diese Verteidigungsanlage schützte die Insel Alsen mit der Stadt Sønderborg. Nachdem die Düppeler Schanzen gestürmt waren, war der Weg nach Jütland offen und auch Alsen selbst wurde erobert.

Im Frieden von Wien 1864, der den deutsch-dänischen Krieg beendete, wurde die Gebietsabtretung für Schleswig-Holstein festgelegt, ansonsten aber nur geringe Reparationszahlungen gefordert. Darunter fielen zum Beispiel Pensionseinzahlungen, Kosten für Gefängnisse und während des Krieges in Beschlag genommene Handelsschiffe und ihre Waren. Insgesamt waren es keine Bedingungen, die sehr schmerzhaft waren und nach Rache schrien, da die Herzogtümer Schleswig und Holstein auch vorher nicht direkt zu Dänemark gehört hatten. Dies war auch der letzte große Krieg, an dem Dänemark teilnahm.

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