Deutsche Außenpolitik 1871-2015 im Zeichen von Reparationen – Der lange Weg zur Reichsgründung (Teil 2)

Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob es eine große deutsche Lösung mit Österreich geben würde oder ob Österreich trotz der deutschen Sprache bei einem vereinten deutschen Staat außen vor bleiben müsste. Allerdings sorgte die Situation in Schleswig-Holstein selbst für Unfrieden zwischen den beiden großen deutschen Mächten und auch der Vertrag von Bad Gastein vom 14. August 1865 konnte diesen nicht auflösen. Österreich wollte eine zweite deutsche Großmacht nicht akzeptieren, Preußen aber eine Führungsrolle im deutschsprachigen Gebiet übernehmen. Es begann die Suche nach Verbündeten und beide Staaten sicherten sich mit einigen Zugeständnissen die Neutralität von Frankreich. Auch Russland blieb neutral und Preußen konnte sogar Italien für ein geheimes Bündnis gewinnen.

1866 war eine Entscheidung gefallen, nachdem Preußen immer weiter provoziert hatte, und schließlich führte eine weitere Provokation in Schleswig-Holstein von Seiten der Preußen zum Krieg. Österreich beantragte die Mobilmachung des Bundes und wenig später erklärte Italien Österreich den Krieg, war aber nur mäßig erfolgreich und auch in Deutschland begann der Krieg zwischen den beiden deutschen Großmächten. Einige kleinere deutsche Staaten standen auf Seiten der Österreicher, aber deren Armeen wurden rasch von Preußen besiegt. Auch durch den gut organisierten Nachschub war Preußen in der Schlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866 überlegen. Fast 1 Million Soldaten kämpften in dieser Schlacht und Österreich schien die Oberhand zu gewinnen. Als dann allerdings die 2. Preußische Armee unter dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen eintraf und die Österreicher in die Zange nahm, wendete sich das Blatt und unter Verlusten mussten sich die Österreicher zurückziehen. Keine 3 Wochen später kapitulierte Österreich.

Um Österreich nicht in die Arme von Frankreich zu treiben, verzichtete Preußen auf die Fortführung des Krieges und zu harte Friedensbedingungen. Es annektierte die Fürstentümer Schleswig-Holstein, Hannover, Nassau, Hessen-Kassel und die Freie Stadt Frankfurt. Zusätzlich trat Sachsen dem norddeutschen Bund bei. Dieser Bund wurde von Preußen neugegründet, nachdem Österreich der Auflösung des Deutschen Bundes zustimmen musste. Österreich verlor Venetien an Italien, da es dieses schon während des Krieges an Frankreich abgegeben hatte. Ansonsten blieb das Gebiet Österreichs unberührt und so konnten sich die beiden Staaten schnell wieder auf diplomatische Weise annähern.

Die österreichische Vorherrschaft in Deutschland war damit allerdings vorbei und Preußen übernahm die Vormachtstellung. Der Norddeutsche Bund war nur noch ein verlängerter Arm und Preußen bestimmte die Außenpolitik. Österreich orientierte sich daher in Richtung Ungarn, schuf den österreichisch-ungarischen Ausgleichs und gründete Österreich-Ungarn, umgangssprachlich auch k.u.k.-Monarchie genannt.

Nachdem Preußen die Vorherrschaft in Deutschland übernommen hatte, nahmen die Spannungen mit Frankreich zu. Napoleon III. hatte gehofft, nach dem Deutschen Krieg an den Friedensgesprächen teilnehmen zu können, um Vorteile für Frankreich herauszuschlagen. Dies vereitelten Preußen und Österreich, da sie selbstständig und früh Frieden schlossen. Auch die Hoffnung, dass die kleinen deutschen Länder von Frankreich abhängig werden würden, erfüllte sich nicht.

Im Jahr 1867 kam zusätzlich noch die Luxemburg-Krise dazu. Napoleon III. wollte sein Land unbedingt vergrößern, besonders nachdem Preußen an der Ostgrenze so mächtig geworden war. Luxemburg gehörte dem König der Niederlande, der aber für den Preis von 5 Millionen Florins bereit war, das Land zu verkaufen. Als nach und nach mehrere Geheimverträge an die Öffentlichkeit kamen, empfahl Bismarck dem König der Niederlande dann doch Luxemburg nicht zu verkaufen. Am 11. Mai 1867 kam es zum Londoner Vertrag und die Großmächte einigten sich darauf, dass Luxemburg neutral und unter der Herrschaft der Niederlande bleibt. Die preußische Garnison musste sich zurückziehen und Luxemburg zerstörte daraufhin die Festung. Die Spannungen zwischen Preußen und Frankreich verschärften sich weiter, da Frankreich sich von Preußen betrogen fühlte.

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