Rezension zu „Weltordnung“ von Henry Kissinger

Eigentlich ist mein SuB immer noch groß und füllt bald eine ganze Regalzelle. Dennoch schaue ich immer wieder nach interessanten Büchern. In der Buchhandlung Rupprecht in Murnau werde ich auch häufig fündig. Allerdings finde ich weiterhin nur am Wochenende in den Mittagspausen Zeit zum Lesen und daher dauert es, bis ich ein Buch geschafft habe. Dieses Mal habe ich mir „Weltordnung“ von Henry Kissinger vorgenommen. Bei dem Autor fällt es natürlich schwer, unvoreingenommen an die Sache ranzugehen. Ich habe es dennoch versucht.

Sehr gutes Buch, außer wenn es um die USA geht

Das neue Buch von Henry Kissinger ist klar strukturiert. Es beginnt im Europa des 17. Jahrhunderts, beim Westfälischen Frieden, der den 30jährigen Krieg beendet und eine neue Ordnung in Europa begründete. Dieses Europa wird bis zur Gegenwart beleuchtet. Auch die Islamische Weltordnung, die im 7. Jahrhundert beginnt und natürlich immer noch aktuell ist, erhält ein eigenes Kapitel, genauso wie der Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Die asiatischen Ordnungen mit ihren großen Staaten Japan, China und Indien werden erläutert und man erhält einen schnellen Überblick, warum die Staatsoberhäupter so gehandelt haben und handeln. Diese Kapitel nehmen circa 2/3 des Buches ein, das letzte Drittel beschreibt dann die Weltordnung der Vereinigten Staaten von Amerika. Und ab hier lässt die Qualität nach.

Über die anderen Staaten schreibt Henry Kissinger halbwegs objektiv, auch wenn es einige kleinere Bewertungen gibt. Dennoch sind diese Kapitel sehr gut geschrieben, leicht zu lesen und interessant. Wenn der Autor allerdings über die USA schreibt, muss man häufiger den Kopf schütteln und ihn fragen, ob er das ernst meint. Für ihn sind die USA das Nonplusultra der Weltgeschichte und God‘s Own Country. Dies merkt man leider im letzten Drittel ständig und er lässt leider jede Objektivität vermissen.

Ein Zitat zu George W. Bush möchte ich erwähnen:

„Aber bevor ich meine Bedenken vortrage, möchte ich hier meinen unveränderten Respekt und meine persönliche Wertschätzung für Präsident George W. Bush zum Ausdruck bringen, der Amerika mit Mut, Würde und Überzeugung durch eine unruhige Zeit führte.“

Da gibt es wahrscheinlich Millionen Menschen, die anders über diesen Präsidenten urteilen. Aber an diesem Zitat erkennt man sehr gut, dass Henry Kissinger noch immer nicht seine Politik und sein Leben ernsthaft reflektiert hat.

Das Buch bekommt von mir 4 Sterne, da es angenehm zu lesen ist. Die ersten zwei Drittel sind sehr interessant und beim letzten Drittel sollte man im Hinterkopf behalten, was Henry Kissinger für ein Politiker war und ist.

Ich habe zwar noch einige ungelesene Politikbücher im Regal stehen, aber nun sind erst einmal die Schreibratgeber dran. Danach werde ich mir entweder die Bücher über Europa bzw. den Euro vornehmen, oder über die Geschichte Brasiliens oder Italiens.

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