Chinas Wirtschaft: Stagnation oder Rezession?

Gestern fand in Peking eine große Militärparade zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges statt. Dabei präsentierte die Armee 12000 Soldaten, 200 Flugzeuge, Panzer und Raketen. In einer Rede gab das Staats- und Parteichef Xi Jinping bekannt, dass die Zahl der Soldaten um 300.000 auf 2 Millionen verringert werden solle. Deutet das auf eine friedliche Entwicklung hin, wie Xi Jinping betont hatte, oder ist es ein Zeichen, dass es mit der Wirtschaft Chinas nicht so gut steht? Auf beide Fragen würde ich mit „Nein“ antworten. Auch mit 2 Millionen Soldaten stellt China noch immer die größte Armee und ob Soldaten in den heutigen Kriegen noch die wichtigste Einheit sind, wage ich zu bezweifeln. Ich denke eher, dass die Armee so  modern ist, dass die Soldaten einfach nicht benötigt werden. Im näheren Umkreis kann kein Land mit China mithalten, warum also 300.000 Soldaten bezahlen, wenn man sie nicht braucht.

Natürlich wollen die 300.000 jetzt eine andere Arbeit haben und werden so auch auf den Arbeitsmarkt drängen. Die Arbeitslosenquote ist sowieso schon gestiegen, nachdem einige Fabriken und Baufirmen schließen mussten. Momentan werden wichtige Staatsbetriebe, die zwar nicht mehr rentabel sind, am Leben gehalten, wenn diese aber doch geschlossen werden, bekommt China irgendwann Probleme mit den Arbeitslosen.

Die letzten Jahre ging der Aufschwung wohl zu schnell, es wurden Städte gebaut, die eigentlich nicht benötigt werden und in den letzten 3 Jahren mehr Zement verbraucht, als die USA im gesamten 20. Jahrhundert verbraucht haben. Der Aufschwung war nicht komplett nachhaltig und die Blase droht zu platzen. Der Aktienmarkt ist unruhig und viele Anleger sind vor einiger Zeit vom Staat ermuntert worden, Aktien zu kaufen. Sollten diese Anleger ihr Vermögen verlieren, steigt sicherlich der Unmut.

Weitere Indikatoren für eine beginnende Stagnation der Wirtschaft sind der nur leicht ansteigende Stromverbrauch und das deutlich sinkende Frachtvolumen der Eisenbahn. Im letzten Jahr betrug das Wirtschaftswachstum offiziell zwar wieder 7%, allerdings sind die Zahlen etwas unglaubwürdig. Momentan wird versucht, die Wirtschaft von einem schulden- und investitionsgetriebenen Modell auf ein Dienstleistungs- und Konsummodell umzustellen, aber genauso wie damals in den westlichen Ländern wird es auch in China nicht reibungslos ablaufen.

Nach der letzten Finanzkrise sind die Regierungen mit ihrer Geldpolitik nicht wieder in den Betriebszustand zurückgegangen sondern betreiben immer noch eine Krisenpolitik. Selbst die Fed in den USA hat die Zinsen nicht erhöht, aus Angst, dass dann die Krise in die asiatischen Länder zurückkommt, wenn Geld von dort abgezogen wird. Dadurch stehen aber kaum noch finanzpolitische Werkzeuge zur Verfügung, sollte es zu einer erneuten Weltwirtschaftskrise kommen. Somit würde diese sicherlich härter ausfallen. Momentan hängt vieles von China ab und schon seit längerem wurde eine Krise vorhergesagt, hervorgerufen durch eine Immobilienblase. Bis jetzt ist es noch nicht eingetreten, vielleicht wird es dies auch nie. Allerdings sollte sich China damit abfinden, dass die Jahre mit den 7% Wirtschaftswachstum nun vorbei sind.

Durch diese Krise steigt der Ölpreis wohl nicht stark an, da die Nachfrage sinkt. Saudi-Arabien fördert weiterhin viel Öl, um Konkurrenten, die eigentlich höhere Ölpreise bräuchten, vom Markt zu drängen. Wenn die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden, wird weiteres Öl auf den Markt gelangen. Wie ich es gestern schon geschrieben habe, bekommt Russland mit dem niedrigen Ölpreis irgendwann ein Problem. Auch in Venezuela wird die Lage nicht besser, da es dort außer Öl nicht viel gibt. Noch kann Maduro, im Geiste Chavez, etwas für Ruhe sorgen und noch ist die Opposition wieder mal zerstritten. Wenn der Ölpreis aber so niedrig bleibt, könnten bald wieder mehr Massendemonstrationen in Venezuela für Unruhe sorgen. Dafür freut es die Autofahrer an den Tankstellen…

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