Fluchtursachen bekämpfen (Teil 2)

Nachdem gestern Syrien dran war, ist nun, aus nachvollziehbaren Gründen, der Irak an der Reihe. Zwar sind hier nicht so viele außer Landes auf der Flucht, aber fast 4 Millionen Binnenflüchtlinge sprechen für sich. Auch hier ist die Ausgangslage einfach zu beschreiben.

Saddam Hussein regierte jahrzehntelang, führte in dieser Zeit 2 Angriffskriege, einmal gegen den Iran und einmal gegen Kuwait. Beim Krieg 1988 gegen den Iran hatte er noch die Unterstützung des Westens. 1991 beim Krieg gegen Kuwait stieß er früh auf Gegenwind und die Koalition unter Führung der USA schlug die Iraker zurück. Allerdings blieb Saddam Hussein an der Macht und in den folgenden Jahren festigte er seine Macht mit Hilfe von Massakern an Kurden und Schiiten. Mit dem Anschlag auf das World Trade Center hatte er nichts zu tun, trotzdem entschied sich die US-Amerikanische Regierung unter George Bush für einen Krieg gegen den Irak, der 2003 begann. Der Krieg war dank der Überlegenheit der amerikanischen Armee schnell gewonnen und Saddam Hussein wurde bald gefasst und später gehängt. Frieden sollte es keinen geben, da die Iraker gegen die Besatzungstruppen kämpften. Es dauerte, bis die Amerikaner etwas Ruhe ins Land brachten. Allerdings setzten sie auf den falschen Mann an der Spitze des Staates, denn al-Maliki spaltete das Volk, da er die Schiiten bevorzugte, die unter Saddam Hussein gelitten hatten. Als der Bürgerkrieg in Syrien begann kehrten die Generäle von Saddam Hussein zurück und kämpften für den Islamischen Staat, der daraufhin einige Gebiete erobern konnte. Die Sunniten stellten sich dem nicht entgegen, da sie sich von der irakischen Regierung diskriminiert fühlten. Je weiter sich der Islamische Staat ausbreitete, desto mehr Flüchtlinge gab es, speziell bei den Jesiden. Unter Haider al-Abadi als Regierungschef begann dann eine Politik des Ausgleichs zwischen den Konfessionen.

Durch den Regierungswechsel wurde schon einmal der Anfang genommen, die Spaltung der Bevölkerung zu mindern. Im Irak für Frieden zu sorgen und somit die Flüchtlingszahlen einzudämmen scheint einfach als in Syrien. Was aber muss getan werden?

Erstens: Weitere Politik des Ausgleichs zwischen den Konfessionen. Sunniten und Schiiten dürfen nicht gegenseitig diskriminiert werden. Sollten die Sunniten wieder aktiv am politischen Leben teilhaben, sinkt auch deren Unterstützung für den IS.

Zweitens: Neuaufbau der irakischen Armee, Unterstützung der Kurden, Zusammenarbeit mit der syrischen Armee im Kampf gegen den IS

Drittens: Neuaufbau des Landes und der Institutionen. Korruptionsbekämpfung ganz oben ansiedeln.

Viertens: Auch die Anrainerstaaten und besonders der Iran müssen an einer Problemlösung beteiligt werden.

Durch die Erdölvorkommen ist der Irak eigentlich sehr reich, die Amerikaner haben nach dem Einmarsch und dem Bürgerkrieg ab 2011 viel investiert. Im Irak wäre es eigentlich einfach für Ruhe zu sorgen. Eine Politik des Ausgleichs zwischen Sunniten und Schiiten, eine vernünftige Verwaltung, Förderung des Erdöls und aus dem Land könnte etwas werden.

Eine radikalere Lösung hätte ich natürlich auch noch, auch im Bezug auf Syrien. Warum nicht aus den kurdischen Gebieten im Irak und Syrien einen kurdischen Staat bilden? Natürlich hätte die Türkei etwas dagegen, aber wenn der Westen dies unterstützt, wird Erdogan schon beigeben müssen. Russland wäre damit sicherlich nicht einverstanden, da dies Assad schwächen würde. Sollte dieser aber nicht mehr an der Macht sein, könnte sich vielleicht auch Putin mit einem Kurdistan anfreunden. Noch radikaler wäre es, den schiitischen Süden dem Iran zuzuschlagen. Der Irak würde zwar nur noch aus einem kleinen Gebiet bestehen, der aber homogen nur mit Sunniten bewohnt werden würde. Die Grenzen der Nahost-Staaten wurden nach dem Ersten Weltkrieg von Großbritannien und Frankreich relativ willkürlich gezogen und diese Ignoranz der örtlichen Gegebenheiten gegenüber beschäftigt die Welt noch heute. Für ein friedliches Nahost sollte man auch über Grenzberichtigungen nachdenken.

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