Respice post te, hominem te esse memento

„Sieh dich um; denke daran, dass auch du nur ein Mensch bist!“ oder vielleicht auch „Etrafına bak; Sadece insan olduğunu unutmayın!”. Wenn der Google Übersetzer stimmt.

Gestern, auf dem Weg zur Arbeit, musste ich an diesen Satz denken, denn Montag Abend habe ich auf SPON mal wieder einen Artikel über Erdogan gelesen. (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/tuerkei-wie-erdogan-gegen-kritiker-an-universitaeten-vorgeht-a-1101485.html)

Ich habe ja schon häufiger über Erdogan geschrieben und bin daher nicht wirklich überrascht gewesen. Ein Mensch, der so empfindlich auf Kritik und Widerrede reagiert, ist ein schwacher Mensch. Jemand, der an sich selbst glaubt, kann doch auf solche Dinge anders reagieren, aber Erdogan kann es nicht. Tief im Inneren ist er immer noch der Schiffersjunge, der allen zeigen will, was für ein toller Mann er ist. Davon zeugt auch sein Palast, der dritte Flughafen und vieles mehr. Er will für alle Ewigkeit berühmt sein, als größter Staatsmann in die Geschichte eingehen.

Und da kann er natürlich Kritik und Widerworte nicht gebrauchen. Bei uns würde man über manche Kritik wahrscheinlich lächeln, vielleicht auch einfach nur ignorieren. Erdogan aber verfolgt so etwas aufs Schärfste, sieht aber nicht, was er gerade in der Türkei anrichtet. Die Kurden, die schon fast „befriedet“ waren, kämpfen nun wieder gegen den Staat, der sie seit einiger Zeit wieder unterdrückt. Die Daesh wenden sich gegen die Türkei, nachdem Erdogan sie zuerst geduldet hat. Viele Akademiker und andere Personen sehen, was passiert, äußern Kritik und sollen dafür bestraft werden. Doch will Erdogan alle Akademiker entlassen, die nicht seiner Meinung sind?

Wirtschaftlich ging es unter Erdogan wirklich bergauf, aber seit er Präsident ist und noch mehr Macht will, verliert er komplett die Bodenhaftung. Er versucht seine Macht zu festigen, seine wahren und vermuteten Feinde auszuschalten und entzweit so seine Gesellschaft. Kann dies ewig so weitergehen? Nein, ich denke nicht. Erdogan sollte sich langsam wieder besinnen, dass er sein Volk braucht, dass er auch internationale Unterstützung braucht, gerade aus der EU und Deutschland. Sollte er weiter das Besuchsrecht für deutsche Politiker bei deutschen Einheiten in der Türkei verweigern, könnte Deutschland diese Truppen abziehen und die Beziehungen weiter einfrieren. Noch wird die Türkei als „Bollwerk“ gegen Flüchtlinge gebraucht, aber Erdogan sollte sich trotzdem nicht so sicher sein. Irgendwann ist die rote Linie überschritten und Merkel mag es gar nicht enttäuscht zu werden. Und die Hochschulen? Will er dort nur willfährige Leute einsetzen? Damit ruiniert er doch nur die Bildung. Wenn er denn noch westliche Bildung will oder nutzt er nun die Gelegenheit, um die Unis religiös anzuhauchen? Ich hoffe, dass noch mehr Türken sich Erdogan widersetzen. Alle einsperren kann er nicht und wenn alle entlassen sind, wird die Unruhe weiter steigen. Es wird Zeit, dass er auf den Boden der Tatsachen zurückkommt. Er ist kein Sultan, sondern ein demokratisch gewählter Präsident in der Neuzeit. So sollte er sich auch verhalten.

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