Wer ist bereit seine Meinung zu ändern?

Auf die Idee zu meinem heutigen Blog-Eintrag kam ich gestern beim Lesen des neuen Spiegels. Der Artikel „Die enthemmte Republik“ handelt von der rechten Wutwelle und dabei sind mir einige Dinge ins Auge gesprungen.

Zum einen steht relativ am Anfang, dass die Suche nach Dialog und Kompromissen derzeit nicht funktioniert, weil die Menschen kaum erreichbar sind. Das ist mir allerdings nicht nur bei den Rechten und bei den Menschen, die bei Pegida mitlaufen, aufgefallen, sondern bei so gut wie allen, die im Netz politisch aktiv sind. Es ist ja nicht verkehrt, seine Meinung zu haben, allerdings sind die wenigsten bereit, auch ihre Meinung zu ändern, selbst wenn es neue Informationen gibt und sich die Sachlage ändert. Natürlich sollte man meistens bei seiner Meinung bleiben und sich nicht nach dem Wind richten, aber auch notfalls diese ändern, falls sich an der Lage etwas geändert hat.

Die bei Pegida haben Angst vor Flüchtlingen und denken, dass Deutschland überfremdet wird, die Flüchtlinge alle kriminell sind und der Islam sich extrem in Europa ausweitet. Da kann man mit Statistiken kommen, Umfragen, Fakten, es hilft nichts. Die Meinung ist da und die Meinung bleibt.

So ist es auch bei anderen politischen Themen, wie ich es ja schon mal geschrieben habe. Das betrifft zum Beispiel den Flug MH-17, der über der Ostukraine abgeschossen wurde. Da ich häufig im Telepolis-Forum mitlese, beziehe ich mich mal darauf. Dort wurde immer der offiziellen Meinung von Russland vertraut, also am Anfang auch, dass es ein ukrainisches Flugzeug war, oder eine ukrainische BUK. Nun kam der Bericht der niederländischen Untersuchungskommission raus, aber  dem wird überhaupt nicht vertraut. Da könnte alles drin stimmen, trotzdem sagen viele, dass er falsch ist, weil er der offiziellen Meinung Russlands widerspricht.

Auch Menschen, die anti-amerikanisch eingestellt sind, werden ihre Meinung nie ändern, sondern die USA immer für das Böse halten und eigentlich nichts Gutes in der amerikanischen Politik finden. Genauso ist es aber auch bei den Anti-Russen. Da ist Putin immer der Böse, egal was passiert oder was er sagt. Genauso ist es auch bei der EU. Viele halten alles, was von der EU kommt, für falsch und lassen sich da auch nicht von abbringen.

Nur woher kommt es? Vielleicht, weil wir selbst keine andere Meinung zulassen oder anderen ihre Meinung absprechen wollen? Sobald jemand eine andere Meinung vertritt als man selbst, wird derjenige diffamiert, je nachdem um welches Thema es geht. Da ist man schnell Nazi, Lügenpresse, Extremist, US-Propagandist oder Putinversteher. Es fehlen auch hier die Grautöne. Wie heißt es so schön: „Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen.“ Dieses Zitat würden heute wohl nicht mehr alle unterschreiben oder mit ihm übereinstimmen.

Aber was passiert, wenn man jemanden so diffamiert? Ändert dieser seine Meinung? Sehr wahrscheinlich nicht. Er wird so weitermachen oder sich Gleichgesinnte suchen. Somit werden Menschen, die eigentlich gar nicht zu den Gruppen gehören in deren Arme getrieben. Bestes Beispiel sind die Pegida-Demonstrationen. Natürlich sind da rechte Chaoten dabei, die Führungsriege ist mir suspekt und mit ihren Meinungen stimme ich auch nicht überein. Allerdings laufen da sicherlich auch Menschen mit, die einfach unzufrieden sind, vielleicht ungefähr so denken, aber ansonsten eher kompasslos durch die politische Welt gehen. Wenn ich nun sage, dass das alles Pack ist und man mit niemanden von denen reden sollte, werden sich diese Mitläufer doch mit den anderen identifizieren, weil sie mitbekommen, wie sie selbst diffamiert werden.

Was gab es für einen Aufschrei, als Gabriel mit einigen Pegida-Demonstranten gesprochen hat. Nur nicht mit Leuten reden, die nicht meine Meinung vertreten. Ausgrenzen muss man die. Genau das gleiche hat SPD-Generalsekretärin Fahimi wieder gesagt. „Es ist nicht Aufgabe der Politik, diese Leute zu therapieren.“ Wessen Aufgabe ist es dann? Natürlich ist es die Aufgabe der Politik, die Menschen zu überzeugen andere Meinungen anzuhören und dann vielleicht auch ihre Meinung ändern. Will Fahimi alle „mit dem harten Arm des Gesetzes begegnen“, die bei Pegida mitlaufen? 10000 Demonstranten wegsperren, weil sie eine andere Meinung vertreten?

Genau das gleiche ist, wenn jemand mal negativ über Putin oder die USA schreibt. Sofort kommt die Propaganda-Keule und man wird diffamiert. Wenn ich also negativ über Putin schreibe und danach als US-Propagandist beschimpft werde, warum sollte ich beim nächsten Mal positiv über Putin schreiben?

Erst wenn wir selbst wieder andere Meinungen anhören, andere Meinungen zulassen und bereit sind, unsere Meinungen zu ändern, können wir dies auch von anderen erwarten. Bis dahin wird die Lage aber so bleiben und der politische Meinungsaustausch unterbleiben.

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