Terror der Verlierer?

Nach den Anschlägen in Paris gestern beginnt wieder die Suche nach den Ursachen. Klar ist eigentlich, dass es wieder, wie vermutet, Islamisten waren. Die Herkunft ist noch nicht geklärt, teilweise wohl Franzosen und Belgier. Es gibt auch das Gerücht, dass ein Syrer dabei gewesen sein könnte, der in Griechenland als Flüchtling registriert worden ist.

Als mir der Blogeintrag das erste Mal im Kopf rumschwirrte, hatte ich bei der Überschrift noch das Fragezeichen weggelassen. Irgendwie war in dem Moment klar, dass nur Verlierer zu so etwas fähig sind und an so etwas überhaupt denken.

Verlierer in Bezug auf ihre Arbeit, also Menschen, die in der Schule gescheitert waren oder während ihrer beruflichen Karriere versagt haben, wie zum Beispiel Denis Cuspert, der mit Rappen keinen Erfolg hatte.

Verlierer aber auch in Bezug auf ihr soziales Leben, also Menschen, die ihr Leben insgesamt nicht auf die Reihe bekommen, immer weiter absinken oder Menschen, die sich mit den falschen Leuten umgeben. Dies ist für mich der wichtigste Punkt! Es ist fast egal, was mit einem Menschen ist, sein Umfeld ist sehr wichtig für einen. Das Umfeld kann einem einen Aufstieg verschaffen, selbst wenn man eigentlich keine Chance hat. Umgebe ich mich mit den richtigen Leuten, kann ich mein Leben meistern. Umgebe ich mich mit den falschen Leuten, werde ich heruntergezogen, egal was für ein Leben ich führe oder aus welchem sozialen Umfeld ich komme. Als aktuelles Beispiel ist mir dabei sofort Karim Benzema eingefallen. Eigentlich ein Fußballsuperstar, der bei Real Madrid wohl 150.000 Euro die Woche verdient. So einer dürfte doch eigentlich kaum Probleme haben. Sein Problem ist aber einer seiner besten Freunde, der nicht so viel Glück im Leben hatte und schon vorbestraft ist. Dank dieses Freundes ist Benzema in einen Erpressungsfall mit seinem Nationalmannschaftskollegen Valbuena verwickelt, der um 150.000 Euro erpresst wurde. Warum macht Benzema das? Der hat doch genug Geld. Wegen seiner Freunde? Dann soll er denen einfach die 150.000 Euro geben und gut ist. Weil er selbst erpresst wird? Dann weiß er doch, wie es für Valbuena ist. Im schlimmsten Fall kann Benzema dafür 5 Jahre ins Gefängnis kommen und dann ist seine Fußballkarriere vielleicht vorbei. Und wofür? Weil einer seiner Freunde kriminell ist und ihn beeinflusst.

Verlierer sind für mich aber auch Leute, die zu einfach auf die ganz einfachen Parolen hereinfallen. Menschen, die jemanden mit einfachen Antworten hinterherlaufen. Wer glaubt denn so etwas? In dieser Zeit gibt es keine einfachen Antworten auf die Fragen des Lebens. Da kann keine Religion, keine Politik, nichts, eine einfache Antwort geben. Trotzdem laufen Tausende bei Pegida mit und deren Anführer geben einfache Antworten und die Leute glauben ihnen. Ist das so einfach? Alles wird gut für ihr Leben, weil da vorne jemand steht, der ihnen das in paar Sätzen erzählt? Oder im Islam? Kann der Islam, kann der Koran mir in der heutigen Zeit auf alle Fragen, die mich beschäftigen eine einfache Antwort geben? Nein, das kann keine Religion, kein heiliges Buch. Religion kann nur Unterstützung, nur eine Hilfestellung geben, aber nicht das komplette Leben regeln.

Was mir auch beim Islam fehlt, ist eine Konferenz, ein Konzil, eine Synode so wie die katholische Kirche dies schon häufiger gemacht hat. Eine Konferenz, in der wichtige Würdenträger der Religion sich Gedanken zur Religion machen. Besprechen, was sich ändern muss in der Zeit. Zwar ist die katholische Kirche auch nicht immer aktuell, aber zumindest redet sie manchmal darüber. Und zumindest gibt es in der katholischen Kirche jemanden, an den man sich wenden kann, den Papst. Im Islam gibt es das leider nicht. Da gibt es Muftis, Imane, Ajatollahs, aber niemanden und keine Gruppe, die für die Religion sprechen kann. An wen sollte sich der Westen also wenden, um über den Islam zu sprechen?

Aber kann man den Terror gestern in Paris nur auf Verlierer schieben? Man hat teilweise das Gefühl, dass da auch Menschen mitmachen, die eigentlich ein glückliches Leben führen. Und schließlich gibt es auch genügend Verlierer, die bei so etwas nicht mitmachen. Die noch genug Moral, Ethik und Anstand haben, um an solche Taten nicht einmal zu denken. Das Wort Verlierer klingt hart, aber mir ist leider kein besseres eingefallen.

Der Terror in Paris war ein Terror von Menschen, die es nicht ertragen können, das andere Menschen ein anderes Leben führen wollen und können als sie selbst, das andere Menschen glücklicher sind als sie selbst, Menschen, die nicht verstehen wollen, dass jeder Mensch so leben sollte, wie er es möchte, solange er nicht zu sehr in das Leben anderer eingreift. „Die Freiheit des einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt.“ Ein Terror von Menschen, die das westliche Leben nicht ertragen können, weil es sie ausgegrenzt hatte, Menschen, die nur destruktiv denken, aber niemals eine vernünftige Zivilgesellschaft aufbauen oder an einer teilnehmen können. Ich habe es ja schon mal geschrieben, ich denke nicht, dass der IS überleben wird, weil er, wenn er wirklich nach seinen Regeln handelt, zum Scheitern verurteilt ist. Wer zieht das Leben in einer Lehmhütte ohne Annehmlichkeiten vor, wenn er ein zivilisiertes Leben führen kann.

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