USA: Wohin führt der Weg?

Was war das für ein Dienstag? In der Früh habe ich gleich auf meinem Handy in Twitter geschaut und war dann doch sehr überrascht. Die erste Meldung, die ich gelesen hatte, war, dass Trump auch in Florida gewonnen hatte und schon 232 von 270 notwendigen Wahlmännern gewonnen hatte. Auch wenn ich von Hillary Clinton nichts halte und glaube, dass sie keine gute Präsidentin gewesen wäre, hat mich dieser Zwischenstand doch überrascht. Als Trump dann in weiteren Bundesstaaten gewonnen hatte und schlussendlich als designierter Präsident feststand, war ich noch immer perplex. Bei beiden Kandidaten war schon vorher klar, dass nach der Wahl sicherlich keine Freude bei mir aufgekommen wäre. Aber bei Trump weiß ich noch immer nicht, in welche Richtung Amerika wandert.

Bei meinem ersten Beitrag über die Präsidentenwahl am 30. Januar (siehe hier) habe ich noch geschrieben, dass mir Trump mehr Angst machen würde als Clinton. Allerdings auch, dass mir eine Präsidentin Clinton ein Graus wäre. Damals habe ich aber auch nicht geglaubt, dass Trump Kandidat wird. Das hat sich dann erst später herauskristallisiert. Als er dann feststand, kam wieder ein Beitrag von mir (dieser hier), in dem ich mir sicher war, dass der Wahlkampf schmutzig werden würde. So kam es dann auch. Und Trump hat die Wahlen gewonnen, wie er auch die Vorwahlen bei den Republikanern gewonnen hatte: Er hat die anderen auf sein Niveau, seine Art Politik zu betreiben, hinuntergezogen und sie dann geschlagen.

War ein Präsident Trump unvermeidlich?

Nein, das denke ich nicht. Die Republikaner haben schon den Fehler gemacht, ihn und die Stimmung in der Bevölkerung nicht ernst zu nehmen und zu lange seine Art ignoriert. Und die Demokraten? Die werden sich jetzt wahrscheinlich selbst in den Ar… beißen. Von Anfang an wollten sie Clinton als Kandidatin und haben so auch den Vorwahlkampf manipuliert. Clinton sollte erste Präsidentin werden und sie schien als ehemalige First Lady und Außenministerin fachlich die beste zu sein. Doch menschlich war sie die schlechteste Kandidatin. Wenn Bernie Sanders Kandidat gewesen wäre, hätte er wahrscheinlich hoch gewonnen. Aber Clinton war für Trump die ideale Kandidatin. Sie stand einfach für alles, wogegen er von Anfang an Wahlkampf gemacht hatte. Und die Demokraten waren zu blind oder zu arrogant, um dies zu bemerken. Und Clinton hat auch gedacht, dass sie mit ihrer Art einfach den Wahlkampf durchziehen kann. Aber dass sie eine der unbeliebtesten Kandidatinnen, neben Trump, gewesen ist, hatte sie wohl nicht bemerkt. Und es lag bestimmt nicht an Trump, dass Clinton 6 Millionen weniger Stimmen bekam als Obama 2008 und 2012. Nun müssen die Demokraten sich wieder fangen, um in 4 Jahren Trump wieder abzulösen.

Jetzt kommen einige Theorien hoch, die dies anzweifeln. Ein beliebtes Thema ist, dass es, nachdem es schon die ersten Anti-Trump-Demos gibt, bald zu Aufständen oder zu einem Bürgerkrieg kommt, um einen Präsidenten Trump zu verhindern. Auch der Name Baba Wanga schwirrt umher, eine bulgarische Seherin, die angeblich vorhergesehen hat, dass Obama der 44. Präsident wird und der letzte Präsident sein wird. Gut, sie hat auch den Untergang Europas vorhergesehen und andere Dinge, die nicht eingetroffen sind. Aber sie hat wohl eine Quote von 80%, was alle anderen „Seher“ übertrifft. Dennoch bin ich bei so etwas sehr vorsichtig. Ich gehe also davon aus, dass Trump Präsident wird und wohl auch die 4 Jahre bleiben wird.

Was wird Trump alles ändern? Er wird nicht alleine regieren und muss sich natürlich auch mit den Republikanern einigen. Es wird also keine oder nur kaum Gesetzesvorschläge geben, die für die konservative Partei nicht akzeptabel wäre. Obamacare wird eventuell beendet, aber das hätten andere Kandidaten auch gemacht. Auch Abtreibungen, die Homo-Ehe sind nicht unbedingt die Lieblinge der Grand Old Party.  Wenn man sich allerdings das mögliche Kabinett von Trump anschaut, wird einem klar, dass er auch nicht anders ist, als die politische Elite, gegen die er gehetzt hatte. Fest verwurzelte „Politik-Zombies“ wie Gingrich oder Giuliani, Familienangehörige oder Lobbyisten zeugen nicht unbedingt davon, dem Volk die Macht zurückzugeben.

Momentan gibt es viele Demonstrationen gegen Trump, aber er wurde demokratisch gewählt und man sollte die Wahl akzeptieren. Es ist nicht seine Schuld, dass Clinton 6 Millionen Stimmen weniger als vorher Obama bekommen hat. Die Zahl der Wähler ist gesunken und wenn Clinton ihre Anhänger nicht mobilisieren konnte, kann Trump nichts dafür. Die Anti-Trump-Demos werden irgendwann aufhören, momentan ist es eher der Angst vor Trump und einer Ungewissheit vor der Zukunft zuzurechnen. Es kommt wohl auch zu mehr rassistischen Übergriffen auf Latinos, Afroamerikaner und auch auf Moslems. Da weiß ich nicht, wie es vorher war. Wird nun nur mehr darauf geachtet? Oder gibt es diesen Anstieg an Übergriffen wirklich? Liegt es an Trump? Nicht direkt, nehme ich an. Es trauen sich jetzt nur die Rassisten in die Öffentlichkeit. Ein Grundsatz an Fremdenfeindlichkeit war immer da, er ist nun mehr sichtbar. Es ist schade, dass nach 8 Jahre Obama, der eigentlich gut regiert hatte, immer noch so ein Hass auf Minderheiten ist. Trump hat sich dieses nur zunutze gemacht und jetzt gerät der Hass außer Kontrolle. Bleibt zu hoffen, dass er wieder gestoppt werden kann. Aber ich gehe dennoch davon aus, dass kein Bürgerkrieg ausbrechen wird und es nicht zum Kampf zwischen Weiß und den Minderheiten kommen wird. Ich will Trump und seine Wahlkampfaussagen nicht verharmlosen, aber gleich am ersten Tag gegen ihn zu demonstrieren, bevor er überhaupt das Amt angetreten hat, finde ich etwas verfrüht. Wir sollten die ersten Tage oder Wochen abwarten, bevor wir den Weltuntergang herbeirufen.

Ich hoffe, dass die Republikaner Trump etwas einbremsen und dieser selbst vernünftiger ist, als man es bei den Wahlkämpfen hätte denken müssen. An einen Bürgerkrieg glaube ich nicht, allerdings werden sich die USA aber auch die Welt durch Trump ändern.

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